Fürstlich tafeln und übernachten

NRZ vom 1. Oktober 2008

Fürstlich tafeln und übernachtenJUBILÄUM. Das Parkhotel Wasserburg Anholt besteht seit vier Jahrzehnten. Die Familie Brune ist von Anfang an dabei.

PETER NINKOVIC

ANHOLT. „Manmussdemlieben Gott danken, dass er die Familie Brune hierher geschickt hat, denn die hat dafür gesorgt, dass es wieder lebendig wurde”, war Hausherr Carl Philipp Fürst zu Salm-Salm des Lobes voll über Menschen, die das „Gesicht” der Wasserburg Anholt seit vier Jahrzehnten entscheidend mitprägten. 1968 wurde das Parkhotel in dem Schloss eröffnet, zunächst durch die „Parkhotel KG Genzow” geführt, der spätere Pächter Heinz Brune war als Küchenchef von Anfang an dabei.

Schlimme Zerstörungen

Schlimme Zerstörungen richteten im Zweiten Weltkrieg zwei Bombenangriffe auf der Jahrhunderte alten Wasserburg an. Der damalige Fürst Nickolaus Leopold zu Salm-Salm, Vater von Carl Philipp, musste entscheiden, wie es weitergehen sollte. Für die Nutzung durch die Familie war die Gesamtanlage zu groß. Fürs Schloss seien Nutzungen als Altenheim, Jugendherberge oder gar Nato-Hauptquartier im Gespräch gewesen, erinnert sich der heutige Fürst. Sein Vater habe sich für das 1967 eröffnete Museum und ein Hotel entschieden. Carl Philipp Fürst zu Salm-Salm spricht von der „Einheit Wasserburg Anholt”, zu der noch weitere Attraktionen wie Park und „Anholter Schweiz” zählen.

„Wunderschöner Sommertag”

Heinz Brune erinnert sich an den 1. Juni 1968, als das Parkhotel in Anwesenheit des damaligen NRW-Ministerpräsidenten Franz Meyers eröffnet wurde: „Es war Pfingsten und ein wunderschöner Sommertag.” Und Brune schaut auf die Zeit zurück, als ein neuer Pächter her musste: „Der Fürst sagte mir, er habe jemanden. Da sagte ich: Durchlaucht, Sie werden mir ihn gleich nennen.Und das tat er: Sie sind es.”

1972 übernahmen Heinz Brune und seine Frau Heidi den Betrieb. 1982 entstanden die beiden Turmzimmer, 1988 wurde der Betrieb um die Prinzensuite erweitert und 1992 folgte die Renovierung weiterer Zimmer. 2000 übernahmen Jörg Brune (Küchenmeister) und Peter Brune (Betriebswirt), Söhne von Heinz und Heidi, das Hotel. 2000 und 2001 wurde der Betrieb mit dem Wasserpavillon und sechs neuen Hotelzimmern erweitert. Und im Jubiläumsjahr 2008 wurden die Zimmer im Ostflügel neu gestaltet.

„Angefangen hat es 1968 mit 26 Zimmern”, so Peter Brune. Heute sind es 31 Zimmer, darunter 27 Doppelzimmer, einige davon Suiten: „Trotz des alten Gebäudes sind wir stets up to date, der anspruchsvolle Gast findet bei uns das, was er erwartet.” Faszinierend ein Blick in die Zimmer, von denen jedes anders gestaltet ist und deshalb einen unverwechselbaren Charakter hat. Mit modernen Einrichtungen, versteht sich. Zum Jubiläum gibt es ein besonderes Arrangement, darin enthalten beispielsweise als Abschiedsgeschenk ein „Anholter Mandelkuchen”. „Das Rezept stammt von meinem Vater Willi, der Konditormeister in Marl-Hüls war”, erklärt Heinz Brune.

Auch das Restaurant hat einen hervorragenden Charakter. Anfangs wurde im heutigen Kaminzimmer gespeist, das damals von den Gästen „Blauer Salon” genannt wurde. Zum Jubiläum gibt’s auch ein Menü (siehe Info-Box).

Einen Schlosscharakter bekommt das Hotel auch durch im fürstlichen Eigentum stehende Bilder, so zum Beispiel von Franz Nadorp.

„JUBILÄUMSMENÜ DURCH DIE JAHRZEHNTE” IN VIER GÄNGEN

„Jubiläumsmenü durch die Jahrzehnte” ist der Streifzug durch die Küchengeschichte betitelt, den das Parkhotel Wasserburg Anholt zum 40- jährigen Bestehen präsentiert. Zwölf kleine Gerichte werden in vier Gängen serviert. Teil 1 (in Klammern die jeweilige Jahreszahl): Mousse von Krustentieren mit Mango (2007); hausgeräucherter Lachs mit Dill-Meerrettichcreme (1968); Medaillon von der Wachtel auf Toast mit einem Spiegelei (1975). Teil 2: Pilzessenz unter der Blätterteighaube mit Trüffelklößchen (1982); Latte Macchiato von Anholter Kräutern (1979- 2008); Rahmsüppchen von Kartoffeln mit Blutwurststrudel (1986). Teil 3: Kalbsfilet im Artischockenboden mit Basilikumjus (2008); Entenpraline mit Orangennudeln (2004); Entrecote Strindberg mit Bohnenbrandade (1975). Teil 4: Rembrandts Malerpalette (1996); westfälisches Pumpernickelmousse nach Heinz Brune (1982); Schwarzwälder Kirschtorte „2018” (2008). Der Menüpreis beträgt 55 Euro pro Person. Dieses Angebot gibt’s bis zum 19. April 2009, ausgenommen an Weihnachten, Silvester, Neujahr und Ostern.